Wirtschaftsinformatikerin aus Frankreich legt bei KMU Net ihr Examen ab.

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Von Britta Kopp


Ein Klassenzimmer, drei Professoren und eine gespannte Atmosphäre: Die Prüfungen im Studiengang Wirtschaftsinformatik der Universität Toulouse laufen ab, wie fast überall auf der Welt. "Ich werde ein Referat halten und anschließend Fragen beantworten", sagt Helia Pouyllau. Doch anders als ihre Studienkollegen nimmt sie nicht direkt vor dem Prüfungsausschuss Platz. Die 21-Jährige sitzt in der Firma KMU Net in Bremerhaven. Webkameras und Internet machen die Examensprüfung über 1523 Kilometer Entfernung möglich.

Die junge Französin ist europaweit die erste Studentin, die einen Teil ihrer Examensarbeit per Webcam absolviert. Die Regeln sind klar: Nur eine Person darf mit im Raum sein, damit niemand helfen kann. Die Praktikantin aus Toulouse behält ihren Chef Clemens Wudel in ihrer Nähe. "Aber beim Programmieren könnte ich ihr ohnehin nicht viel helfen", schmunzelt der KMU Net-Gründer und erläutert seinen Part: "Die Programmierer oder Praktikanten unserer Firma setzten die Ideen um, die ich gemeinsam mit ihnen entwickle".

Nach Wudels Vorstellung entwickelte die junge Studentin beispielsweise die Software "Web Promotion FTP": Sie sorgt dafür, dass Webseiten besser in Suchmaschinen zu finden sind. "Zwei Wochen dauerte die Entwicklung und eine Woche das Design", so Helia Pouyllau, die in Bremerhaven noch an einem weiteren Projekt arbeitete: "Mail-Catch" durchsucht die E-Briefkästen von Firmen oder Universitäten nach bestimmten Stichworten. "Beispielsweise bei dem Wort 'Bewerbung' wird automatisch ein Formular zurückgesendet", erläutert Wudel. Ein erster Interessent für dieses Programm ist die Hochschule in Bremerhaven.

"Gutes Betriebsklima" und "interessante Arbeit": So lobt die Gast-Studentin ihren Praktikumsplatz. Und die Begeisterung schlägt sich offenbar auch in ihrer Prüfung nieder. Kaum hat sie die letzte Antwort ausgesprochen, geben ihr die drei Professoren auf dem Bildschirm zu verstehen: bestanden! Doch auch wenn im Netz diesen Moment mehr als 2600 Besucher verfolgen, bleibt Helia ganz cool. "Der einzige Unterschied zu einer normalen Prüfung ist, dass ich keinen Tageslichtschreiber verwende, sondern meine Grafiken als Mail schicke."

Wudel sieht die Prüfung als Pilotversuch für ein Cyber-Examen: "In Deutschland ist die virtuelle Fachhochschule im Gespräch. Da muss man sich ja auch Gedanken um die Prüfungsmodalitäten machen." Interesse an Online-Prüfungen hat bereits die Uni Bremen signalisiert. Das Zentrum für Multimedia in der Lehre (ZML) will so nicht nur Prüfungen abnehmen, sondern den Studenten mit E-Tests auch die Möglichkeit zur Selbstkontrolle geben.

"Das alles ist mit einem geringen finanziellen Aufwand möglich", sagt der KMU Net Geschäftsführer im Hinblick auf die knappen Mittel der Hochschulen: Webcams kosten nur rund 50 Euro und den zur Prüfung erforderlichen Internet-Anschluss würden ohnehin alle Studenten besitzen.

Die Welt vom 2. Juli 2001

 

Wirtschaftsinformatikerin aus Frankreich legt in KMU Net Bremerhaven ihr Examen ab.
Von Britta Kopp


 

 
 

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